Rückschnitt von Sträuchern mit Blüten am Vorjahresholz
Wer im Frühjahr zur Gartenschere greift und einen Strauch zurückschneidet, der seine Blütenknospen bereits im Vorjahr angelegt hat, entfernt damit genau jene Triebe, an denen in den kommenden Wochen die Blüten erscheinen sollten. Diese Pflanzen blühen am sogenannten Vorjahresholz. Das sind die Triebe, die in der vorangegangenen Vegetationsperiode gewachsen und ausgereift sind. In ihnen sind die Blütenanlagen bereits vollständig ausgebildet, sie überwintern dort und entfalten sich im Frühling. Ein Schnitt vor oder während der Blüte zerstört diese Anlagen unwiederbringlich. Die Folge ist ein Strauch, der in diesem Jahr kahl bleibt und erst wieder im nächsten Jahr blüht, sofern er dann ungestört wachsen darf.
Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe zählen Forsythie, Flieder, Deutzie, Weigelie und einige Zierkirschen. Sie alle treiben im Frühjahr aus Knospen, die schon im Herbst des Vorjahres fertig angelegt waren. Wer jetzt schneidet, schneidet die Blüte weg. Der richtige Zeitpunkt liegt unmittelbar nach dem Verblühen. Dann hat der Strauch genügend Zeit, neue Triebe zu bilden, an denen er bis zum Herbst wieder Blütenknospen für das nächste Jahr ansetzt. Wer unsicher ist, wann der passende Moment gekommen ist, findet eine praktische Anleitung, wie man die Forsythie direkt nach der Blüte schneiden kann, ohne den Blütenflor des Folgejahres zu gefährden.
Ein Schnitt im Frühjahr ist also nicht grundsätzlich falsch, aber er muss auf den richtigen Zeitpunkt fallen. Bei Sträuchern, die am Vorjahresholz blühen, bedeutet das: abwarten, bis die Blüten verwelkt sind, und erst dann zur Schere greifen. Ein radikaler Rückschnitt im zeitigen Frühjahr hingegen entfernt nicht nur die diesjährige Blüte, sondern schwächt den Strauch zusätzlich, weil er seine gesamte Energie in den Aufbau neuer Triebe stecken muss, ohne dass diese im selben Jahr noch Blüten tragen können. Wer den Schnitt dagegen nach der Blüte durchführt, fördert eine kräftige Neubildung und damit eine reiche Blüte im nächsten Jahr.
Wer diese Regel einmal verinnerlicht hat, erspart sich viel Enttäuschung. Ein Blick auf die Knospen im Winter hilft bei der Einschätzung: Große, pralle Knospen, die bereits im Herbst sichtbar sind, deuten auf Blüten am Vorjahresholz hin. Kleine, unscheinbare Knospen, die erst im Frühjahr austreiben, gehören zu Sträuchern, die am einjährigen Holz blühen und im Frühjahr problemlos geschnitten werden können. Die Unterscheidung ist entscheidend, denn sie bestimmt, ob der Schnitt den Blütenflor fördert oder zunichtemacht.